elbarlament Storytelling-Projekt

/ Writing for Life – Schreibwerkstätten für Frauen

Territoriale und gesellschaftliche Spaltung, interethnische Konflikte und tribale Strukturen – der Irak gilt als instabiler und in vielerlei Hinsicht sogar als gescheiterter Staat. Insbesondere Frauen leiden unter extremer Ungerechtigkeit, ihr Alltag ist geprägt von Gewalt und Restriktionen. Das Projekt “Writing for Life – Schreibwerkstätten für Frauen” stärkt die Rolle von Schriftstellerinnen im Irak und bietet ihnen gleichzeitig eine Plattform zum Austausch und für die kreative Verarbeitung ihrer Erfahrungen.

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Hintergrund und Projektziele

Auch heute ist es für einen Großteil der Frauen im Irak nicht möglich, selbstbestimmt zu leben – Unterdrückung, Einschränkungen und Verbote bestimmen ihren Alltag. Eine zusätzliche Bedrohung geht spezifisch vom IS aus: Zwangsverheiratungen, Vergewaltigungen und Sklaverei von Frauen waren Teil des inländischen Terrors. Die von Gewalt geprägten Verhältnisse lähmen nahezu komplett das künstlerische Schaffen im Irak, der historisch eigentlich über einen reichen Schatz an Literatur und Lyrik verfügt.

In den “Writing for Life”-Schreibwerkstätten werden irakische Frauen zum Schreiben ermutigt – das dadurch neu erlangte Selbstbewusstsein pflanzt sich im familiären und sozialen Umfeld der Teilnehmerinnen fort und soll andere Frauen ebenfalls dazu bewegen, ihren Gedanken Ausdruck zu verschaffen und Traumata kreativ zu verarbeiten. Ein weiteres, übergeordnetes Ziel war es, den Anteil weiblicher Stimmen im irakischen Literaturbetrieb zu erhöhen.

In einer Reihe von Schreibworkshops im Irak bauten erfahrene Autorinnen und Einsteigerinnen ihre schriftstellerischen Fähigkeiten aus – sie übten sich in verschiedenen Genres wie Lyrik, Prosa und journalistischen Texten. Die Teilnehmerinnen lernten, sich besser auszudrücken und ihre Erfahrungen auf produktive und kreative Weise zum Ausdruck zu bringen. Die Arbeit in den Schreibwerkstätten ermutigte sie zur Publikation ihrer Texte und brachte sie in den Dialog untereinander, mit den Workshop-Leitern und mit anderen Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Viele der Teilnehmerinnen berichten, dass ihnen die Teilnahme zu mehr persönlichem Selbstbewusstsein und Akzeptanz in der irakischen Schriftstellergemeinschaft verholfen hat.

Das transmediale, visuelle Storytelling-Projekt hatte das Ziel, die Schreibwerkstätten bekannter zu machen – in Deutschland, aber auch vor Ort im Irak. Fabian Schwan-Brandt reiste für das Storytelling-Projekt im April 2017 in den Irak. Weitere Fotos und Filmaufnahmen entstanden in Frankfurt, als die Teilnehmerinnen im Rahmen einer Studienreise nach Deutschland kamen.

Ereignisse und Verbreitung

Die Geschichte über die schreibenden Frauen und das Projekt der Organisation elbarlament wurde in vielfältiger Form verbreitet: als filmische Dokumentation, als Fotoreihe, als Reportage und auf den verschiedenen Kommunikationskanälen der Organisation elbarlament, dem Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) sowie weiteren Unterstützern und Kooperationspartnern. Das Themenbüro unterstützte elbarlament erfolgreich bei der Produktion und der Verbreitung der Story in verschiedenen Online-Medien und -kanälen. Die entstandenen Arbeiten schaffen durch die hohe Reichweite verstärkt Bewusstsein für die nach wie vor äußerst problematische gesellschaftliche Rolle von Frauen im Irak und entfacht Rückenwind für ein Projekt mit viel Potenzial zur Fortführung und Nachahmung.

Kurzfilm

Fotoauswahl

Expertenvorträge bei den Schreibwerkstätten in Basra
Schreibwerkstatt in Erbil.
Teilnehmerin Nidaa Mohsin Hasan war sowohl im Irak als auch in Deutschland bei dem Projekt dabei.
Teilnehmerin Nidaa Mohsin Hasan war sowohl im Irak als auch in Deutschland bei dem Projekt dabei.
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Die Teilnehmerinnen auf der Buchmesse in Erbil.
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Abendliche Straßenszene im Irak.
Fabian Schwan-Brandt während der Dreharbeiten über die “Writing for Life”-Workshops.
Fabian Schwan-Brandt während der Dreharbeiten über die “Writing for Life”-Workshops.
Aufbruch zur Buchmesse – die Teilnehmerinnen vor den Konferenzräumen.
Aufbruch zur Buchmesse – die Teilnehmerinnen vor den Konferenzräumen.
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Die Teilnehmerinnen während der Studienreise nach Frankfurt.
Nidaa im Frankfurter Literaturhaus.
Nidaa im Frankfurter Literaturhaus.
Weihnachtsgebäck und Tee bei Andrea Pollmeier, Journalistin und Gründerin von Faust Kultur.
Weihnachtsgebäck und Tee bei Andrea Pollmeier, Journalistin und Gründerin von Faust Kultur.